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K-light von Triple Seven

Bilder

11.06.2018

Der Bekanntheitsgrad des Slowenischen Herstellers Triple Seven ist im Mitteleuropäischen Raum eher niedrig. Mir ist das nicht ganz verständlich, denn die Brüder Urban und Aljaz Valic, die Gründer, Inhaber und Designer von Triple Seven bauen eigentlich recht pfiffige Gleitschirme. Das Fliegen haben beide in den Genen, denn sie stammen aus einer flugbegeisterten Familie. Nach der tollen Palette an Flügeln die Triple Seven mittlerweile anzubieten hat, wird sich das auch bald ändern.

Der EN-B "Knight" sollte die Lücke zwischen dem Pawn EN-A und dem Rook 2 high end EN-B schließen. Tatsache ist, dass der Knight doch sehr viel näher am Rook 2 als am Einsteigerschirm Pawn liegt. Die Leichtversion des Knight "K-light" hat mir Andi Steiner, der Triple Seven Partner für einige Testflüge zu Verfügung gestellt.

Als Materialmix entschloss sich 777 Gliders für die tausendfach bewährte Kombination aus Skytex 38 für die obere Eintrittskante, das 27iger Skytex für das restliche Obersegel und das komplette Untersegel, sowie das 27iger hard finish für das Innenleben des K-light.
Die Verarbeitung des Flügels ist extrem gut, alle Übergänge weisen keinen Versatz auf und der Flügel steht völlig faltenfrei in der Luft.
Auch verantwortlich für die Faltenfreiheit ist neben der guten Verarbeitung das doppelte 3D-Shaping die Miniribs am Achterliek, die Einarbeitung von Nylonstäbchen im Obersegel, sogenannte "C-Wires" und nicht zuletzt das aufwändige Innenleben des Flügels. Die Tragegurte sind aus einem 13mm breiten Kevlarband gefertigt. Die Fixierung für die Bremsschlaufe besteht aus einem elastischen Gummiband und ist meines Erachtens verbesserungswürdig. Ein Druckknopf hätte auf dem Tragegurt leicht Platz und wiegt sicherlich kaum mehr.

Mit dem Hybrid Dreileiner ist das Bodenhandling auch nicht schwieriger aber auch nicht einfacher wie mit anderen Leichtschirmen. Lediglich die Farbe der C-Ebene und der Bremsspinne machte mir beim Testgerät Probleme. Die dunkelgrauen unummantelten Leinen sind zwar im Schnee bestens sichtbar, aber im Gras so gut wie gar nicht. Ummantelt und farbig getrennt sind nur die Stammleinen der A und B Ebene. Laut Andi Steiner soll das bei den neu ausgelieferten Geräten geändert sein, also gut sichtbare farbige Leinen auch in der C-Ebene und der Bremsspinne. Die Leinen neigen etwas zum Verknoten und auf die schmalen Tragegurte sollte man doch etwas besser aufpassen wie normal. Alles in allem kosten die Startvorbereitungen mit dem K-light etwas mehr Aufmerksamkeit, es ist aber keine Hexerei.
Der Start gestaltet sich umso einfacher. Absolut easy ist der Start ohne Wind. Die ziemlich ausgeprägte Shark Nose schaufelt jeden Windhauch in das Innere des Flügels. Schnell ist er gut gefüllt und steigt langsam aber zuverlässig in den Zenit ohne dabei eine Tendenz zum Überschießen zu zeigen. Bei mehr Wind steigt der Flügel geringfügig schneller und muss im Scheitelpunkt nur leicht angebremst werden. Alles in allem hat der Pilot genügend Zeit um bei Bedarf korrigierend einzugreifen.

In der Luft fällt bereits beim ersten Bremsleinenzug der doch recht hohen Steuerdruck des K-Light auf. Durch die gute Wendigkeit des Flügels, bewegt man sich nur jedoch eher selten in diesem knackigen Bereich. Der K-Light kann durchaus nur mit Gewichtsverlagerung und minimalster Bremse in der Thermik wunderbar nach oben gezirkelt werden. Und das ist eine seiner Spezialitäten, die Thermikannahme. Während das Feedback über die Bremsen eher schwach ist, kommuniziert der Flügel über die Tragegurte sehr gut. Die Bremsleinen Inputs werden sofort umgesetzt. Der K-Light kann so präzise dahin gesteuert werden wo man ihn haben will. Die Dämpfung um die Querachse ist nicht besonders ausgeprägt. Trotzdem gibt es beim Ein- und Ausfliegen aus der Thermik kaum nennenswerte Nickbewegungen. Erst bei starken Geschossen von unten, zieht der Flügel markant in die Thermik ein und muss ein wenig angebremst werden. Grundsätzlich kann oder soll man den K-light aber fliegen lassen und nicht über die Bremsen abwürgen. Wenn angebremst, dann nur sehr wenig. Somit kann das Leistungspotential des Schirms besser ausgeschöpft werden. Der Trimmspeed liegt bei 39- 40 km/h, voll beschleunigt kommen nochmal etwa 10 km/h dazu.

Bei Klapper über die Hälfte der Kappe und darüber, reagiert der K-light mit deutlichem Nicken auf die Nase und zügigem Wegdrehen zur geschlossenen Seite. Eine Stabilisierung durch kontrolliertes Anbremsen ist einfach. Das Öffnungsverhalten geht recht zügig bis auf die letzten Zellen die gerne mit den Stäbchen an den A-Leinen hängen bleiben. Einmal beherzt Pumpen und auch das ist behoben.

Bei den Abstiegshilfen hat mir der B-Stall sehr gut gefallen. Anfangs etwas schwer einzuleiten, aber dann voll effektiv, sauber und ruhig mit satten 9m/s. Das Anfahren bei schnellem Lösen des Manövers beantwortet der Flügel mit deutlichem Vornicken und sofortigem Anfahren ohne nur eine kleinste Tendenz in den Sackflug zu gehen.
Mit der Steilspirale konnte ich keine richtig großen Sinkgeschwindigkeiten erzielen. Bei etwa 16m/s war es vorbei. Die Einleitung als auch die Ausleitung über 2-3 Umdrehungen, je nach Sinkwert; ist einfach. Eine Tendenz zur stabilen Spirale gibt es nach meiner Erfahrung nicht.

Zusammenfassung: Mit einer Streckung von 5,4 liegt der K-light geringfügig niedriger wie viele andere EN-B Schirme. Angegeben ist der Flügel von 777 Gliders als mittlerer EN-B. Ich flog den K-light ML mit einem Startgewicht von etwa 103 kg. Die Belastung also absolut ideal für dieses Gerät. Meine Beurteilung liegt etwas höher, also doch in Richtung high end B. Der Grund für meine Beurteilung ist zum einen der Testbericht EN 926 von Air Turquoise SA, in dem der Flügel gerade in den Manövern Frontklapper und Seitenklapper beschleunigt und unbeschleunigt ein B bekommen hat. Das sind Deformationen die jedem Piloten zu jeder Zeit begegnen können und darauf auch richtig reagieren sollte. Zum anderen meine Erfahrung die ich mit dem Flügel in etwa 8 Stunden Flugzeit gemacht habe. Aktives Fliegen war in thermischen Verhältnissen durchaus angesagt, nicht nur um sicher zu fliegen, sondern auch um das Maximum aus dem K-light herauszuholen und das ist beachtlich. Der gute Biss in der Thermik und das enorme Gleitvermögen, insbesondere bei Gegenwind, machen den Flügel zu einem überaus attraktiven Streckengerät. Der normal talentierte Pilot mit regelmäßiger Flugpraxis wird mit den Flügel kein Problem sondern einen riesen Spaß haben.

Weitere Infos auf der Seite von 777 Gliders und

Triple Seven Partner "Airborn Paragliding"