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                                            König Ortler 3905m

                                                       ( Stilfserjoch Nationalpark )

 

Ob der Ortler ein guter oder ein schlechter Flugberg ist darüber kann man sich streiten. Auf alle Fälle ist er der mit seinen 3905 Metern der "höchste Spitz" in ganz Tirol und der höchste Berg östlich der Schweizer Grenze und natürlich auch der höchste Berg in Südtirol. Bis zur Annektierung Südtirols durch Italien im Jahre 1919 war er sogar der höchste Berg Österreichs.

Für Paraalpinisten mit Klettererfahrung und Spass am kraxln, ist er sicherlich ein attraktives Ziel. Für den anderen Teil ohne Klettererfahrung dürfte der Aufstieg eher zur Tortur werden. Ausgangspunkt ist der Ort Sulden, Ortsteil St. Gertraud im Suldental in Südtirol. Von hier über den Weg Nr.4 durch schönen Nadelwald und später über Moränenrücken und steilen Serpentinen bis zur Tabarettahütte auf 2556m Meereshöhe. Oder mit dem Langensteinlift bis zur Bergstation (2330m). Von hier zu Beginn Richtung Westen dem Weg Nr.10 ein kurzes Stück folgen, dann links dem Weg 4a bis zur Einmündung in Weg Nr 4. Die Wegersparnis beträgt etwa 400 Höhenmeter und einer 3/4 Stunde Gehzeit.
Von der Tabaretta Hütte geht ein schöner Weg durch steiles und felsiges Gelände mit hervorragender Aussicht auf die Ortler Nordwand zur Bärenkopf Scharte über das Tabarettajoch bis zur Payerhütte auf 3029 Metern. Die Payerhütte ist in den Sommermonaten bewirtschaftet und bietet auch gute Übernachtungsmöglichkeiten. Von der Payerhütte führt der Weg in südliche Richtung und nach wenigen Gehminuten ist es mit den schönen Wegen erstmal vorbei. Ab hier beginnt der sog. Felsenweg und es heißt klettern was ich persönlich mit 20 kg auf dem Buckel eher als unangenehm empfunden habe. Die Kletterei führt unterhalb der Tabarettespitze vorbei und geht ca. 150 Höhenmeter in mehreren Etappen bergab, später dann wieder bergauf. Der Schwierigkeitsgrad dürfte  bei max. 2-3 liegen. Der Querung ist größten Teils sehr ausgesetzt, auch oft vereist und erfordert volle Konzentration bei der Auswahl von Tritten und Griffen. Der Fels ist teilweise sehr brüchig und nur wenige Stellen sind mit Seil oder Ketten gesichert. Nach ca. 1 1/2 Stunden und bis dahin kaum gewonnener Höhe heißt es dann Steigeisen anlegen. Erst wird eine abschüssige Gletscherzunge gequert, und dann geht es über das "Bärenloch," einen spaltigen Gletscher ordentlich bergauf. Auf 3315 Metern trifft man auf das "Lombardi-Biwak" einer Biwakschachtel die für 5 Bergsteigern eine Notunterkunft bietet. Ab hier führt der Weg über eine steile Eiswand weiter Richtung Gipfel. Auf ca. 3600 Metern wird der Anstieg etwas flacher und man erreicht nach weiteren 100 Höhenmetern den Startplatz in nördliche Richtung. Die fehlenden knapp 200 Höhenmetern führen über einfaches Gletschergelände bis zum Gipfel. Startmöglichkeiten gibt es in Richtung Westen knapp unterhalb des Gipfels oder in Richtung Norden auf ca. 3720 Metern. Landewiesen sind ausreichend in der Gegend um Sulden.

Schwierigkeiten: Der Normalweg des Ortlers ist auf keinen Fall zu unterschätzen. Es handelt sich hierbei um eine schwierige Tour, bei schlechten Verhältnissen um eine sehr schwierige hochalpine Gletschertour. Schwierigkeitsgrat  2-3 im Fels und Eishänge mit bis zu 40 Grad Neigung sind zu bewältigen. Zum Vergleich: Der Ortler Normalweg ist technisch deutlich schwieriger als der Mt. Blanc.

 

Wichtige Anmerkung zum Fliegen im Stilfserjoch Nationalpark:

Der Ortler liegt im Stilfserjoch Nationalpark . Das Gleitschirmfliegen ist auf der italienischen Seite zwar nicht verboten, dass die Gegend aber sehr sensibel ist bewies eine Email vom Gleitschirmclub Vinschgau nach einem Beitrag von Oliver Guenay im  DHV Magazin Nr. 121. Nach  telefonischer Rücksprache mit dem DHV möchte ich diese Email hier veröffentlichen.

 

Wichtiger Hinweis zu dieser Tour ist hier nachzulesen

 

Info Ortler

 

Lage IT, Südtirol, Sulden im Stilfserjoch Nationalpark  
Anreise über Reschenpass oder Meran bis nach Prad, weiter Richtung Gomagoi und Sulden
Ausgangspunkt Sulden Ortsteil St. Gertraud
Stützpunkte Tabarettahütte auf 2556m und Payerhütte auf 3029m Tel.: 00390473613010
Höhenunterschied gesamt 2040 HM, bis zu Payerhütte 1160 HM, von der Payerhütte bis zum Gipfel mit Gegenanstieg gut 1000 HM
Startrichtung  SW - N
Karten

Freytag und Bernd WKS 6 1 : 50000, Tabacco Karte Nr. 8 Ortler-Cevedalegebiet 1:25.000

Kompass Wanderkarte Nr. 52 Vinschgau 1:50.000

Ausrüstung komplette Gletscherausrüstung

 

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Ortler im Winter

 

Eine Ergänzung von Jörg Ackermann

Konditionsstarke Paraalpinisten mit entsprechender Skitourenerfahrung können dem Trubel auf dem sommerlichen Normalweg entgehen und den Ortler im Frühjahr von der Berglhütte (2188 m) aus erreichen. Zu dieser gemütlichen Hütte gelangt man von Heilig Drei Brunnen (1605 m) nahe Trafoi in etwa 1 ½ Stunden entlang des Sommerwegs über eine bewaldete Stufe. Von hier lässt sich der untere Teil des weiteren Aufstiegs zum Ortler gut einsehen.

Anderntags beginnen die etwa 6 Stunden bis zum Ortlergipfel mit einer ansteigenden Querung durch ein weites Kar, das von rechts durch Eislawinen vom Abbruch des Oberen Ortlerferners bedroht wird. Man hält deswegen möglichst zügig auf die gegenüberliegende Karseite zu, die vom Westgrat der Tabarettaspitze begrenzt wird. Nach einem flacheren Geländeabschnitt wendet man sich bei etwa 2900 m nach rechts (Süden) und steigt meist mit Steigeisen in der steiler und schmäler werdenden Trafoier Eisrinne (auch Hohe Eisrinne genannt) an, die im oberen Teil knapp 45° erreicht und somit die erste Schlüsselstelle der Tour bildet.  Am oft vereisten Ausstieg der Rinne trifft man auf den Normalweg von der Payerhütte und folgt diesem nach rechts in eine Gletschermulde (Bärenloch) und über eine kurze Felsstufe zum Lombardibiwak (3316 m). Der anschließende Steilhang endet mit einer großen, auch im Frühjahr erkennbaren Querspalte (ca. 3560 m), deren Überwindung rechts über einen kurzen, oft abgeblasenen Eisaufschwung die zweite Schlüsselstelle der Tour ist. Anschließend geht es dann gemütlicher in einem weiten Linksbogen über das Ortlerplatt zum kurzen, einfachen Gipfelgrat.  

Passt der Wind, ist der Skistart mit dem Gleitschirm fast direkt vom Gipfel problemlos möglich. Am besten fliegt man in etwa entlang der Aufstiegsroute hinunter nach Trafoi, wobei trotz der weitläufigen Landewiesen südlich der Kirche (ca. 1550 m) zu bedenken ist, dass der zum Starten günstige Nordwind eventuell noch um eine Talwindkomponente verstärkt sein kann.

Fotos: Jörg Ackermann

Am Beginn der Trafoier Eisrinne, wo meist zu Fuß aufgestiegen wird; links der felsige Aufschwung des Tschierfecks am Normalweg

Blick zurück auf den ersten Teil des Aufstiegs, hinten die Stilfserjochstraße

Am Ortlergipfel

Die Aussicht vom Ortler Richtung Süden wird von der Königsspitze und vom doppelgipfeligen Cevedale beherrscht

Idealer Startplatz unterhalb des Gipfelkreuzes

Flug über dem Ortlerplatt in Richtung Tabarettakamm

Über dem Bärenloch, unten die Trafoier Eisrinne, oberhalb der Bildmitte die Payerhütte

Blick in den Ausstieg der Trafoier Eisrinne

Der Aufstieg führt durch das Kar im unteren linken Bildeck und ist damit in diesem Teil den Eislawinen vom Oberen Ortlerferner ausgesetzt

Die gemütliche Berglhütte, Stützpunkt für den Aufstieg

Landeanflug auf Trafoi

Weitläufige Landewiese in Trafoi